Ein einziger Klick genügt – und eine Praxis steht still.
Was früher wie ein Problem großer Konzerne wirkte, betrifft heute längst Arztpraxen, MVZs und medizinische Einrichtungen jeder Größe. Beim gemeinsamen Online-Vortrag von tbs und dem Bayerischen Landeskriminalamt (ZAC) wurde deutlich: Cyberangriffe gehören inzwischen zum Alltag.
Der Vortrag gab einen eindrucksvollen Einblick in aktuelle Angriffsmethoden, reale Schadensfälle und konkrete Schutzmaßnahmen für Praxen und Unternehmen. Im Anschluss stellte tbs dar, wie unser Team Sie mit Tools unterstützen kann, die Praxis sicherer zu gestalten.
Cybercrime trifft längst nicht mehr nur Großunternehmen
Nach Angaben des LKA werden inzwischen innerhalb von zwei Jahren rund 80 % aller Organisationen mindestens einmal Ziel eines Cyberangriffs. Besonders alarmierend: Viele Angriffe beginnen mit etwas scheinbar Harmlosen – einer einzigen E-Mail.
Die größte Schwachstelle bleibt der Mensch
Die meisten Angriffe starten nicht mit hochkomplexen Hackerangriffen, sondern mit:
- Phishing-Mails
- gefälschten Rechnungen
- manipulierten Links
- schwachen Passwörtern
- Unachtsamkeit im Arbeitsalltag
Besonders gefährlich ist dabei der Zeitdruck im Praxisalltag. Mails werden oft nur wenige Sekunden geprüft – genau darauf setzen Angreifer gezielt.
Die häufigsten Angriffsmethoden im Überblick
Phishing: Der Klassiker bleibt erfolgreich
Phishing-Mails wirken heute oft täuschend echt:
- vermeintliche PayPal-Nachrichten
- Dropbox-Warnungen
- Microsoft- oder Bank-Logins
- angebliche Sicherheitsupdates
Ziel ist fast immer dasselbe: Passwörter oder Zugänge abgreifen.
Oft reicht dabei bereits:
- ein Klick auf einen Link,
- das Öffnen eines Anhangs,
- oder das Aktivieren vom Makros.
So läuft ein typischer Cyberangriff ab
Der typische Ablauf einer Ransomware-Attacke sieht häufig so aus:
- Phishing-Mail gelangt ins Unternehmen
- Schadsoftware wird installiert
- Täter bewegen sich unbemerkt im Netzwerk
- Daten werden kopiert
- Systeme werden verschlüsselt
- Lösegeldforderungen folgen

⚠️ Besonders kritisch: Heute werden meist nicht nur Daten verschlüsselt, sondern zusätzlich gestohlen („Double Extortion“). Unternehmen sollen also doppelt zahlen:
- für die Entschlüsselung
- und dafür, dass gestohlene Daten nicht veröffentlicht werden.
Wenn plötzlich nichts mehr funktioniert
Ein reales Fallbeispiel aus dem Vortrag zeigte die Folgen eindrucksvoll:
- 5.000 Mitarbeiter betroffen
- komplette Unternehmens-IT ausgefallen
- 700 GB Daten gestohlen
- Lösegeldforderung in Millionenhöhe
- gesamte Arbeitsfähigkeit stillgelegt
Besonders problematisch war nicht einmal die Verschlüsselung selbst – sondern der drohende Verlust sensibler Daten und Betriebsgeheimnisse.
Arztpraxen wären besonders betroffen durch:
- Patientendaten
- Abrechnungsdaten
- Befunde
- Terminverwaltung
- Kommunikation
- digitale Archivsysteme
Business E-Mail Compromise: Wenn gefälschte Rechnungen echt wirken
Eine besonders erfolgreiche Betrugsform ist sogenanntes „Business E-Mail Compromise“ oder „CEO Fraud“.
Dabei geben sich Täter aus als:
- Geschäftsführer
- IT-Dienstleister
- bekannte Geschäftspartner
- Mitarbeitende

Im Vortrag wurde ein Fall geschildert, bei dem eine gefälschte Rechnung über mehr als 300.000 € bezahlt wurde – weil die Täter zuvor den kompletten Mailverkehr mitgelesen hatten.
Schwache Passwörter bleiben ein riesiges Risiko
Viele Angriffe scheitern nicht an Technik – sondern an simplen Passwörtern.
Häufige Probleme:
- gleiche Passwörter für mehrere Dienste
- kurze Kennwörter
- Geburtsdaten oder Namen
- Standardpasswörter bei Geräten
Ein reales Beispiel aus dem Vortrag: Eine große Organisation wurde kompromittiert, weil ein Netzwerkdrucker folgende Zugangsdaten hatte:
- Benutzername: „Scanner“
- Passwort: „Scanner“
Welche Schutzmaßnahmen heute unverzichtbar sind
Technischer Basisschutz
Zu den wichtigsten Grundlagen gehören:
- Firewalls
- aktueller Virenschutz
- regelmäßige Updates
- sichere VPN-Verbindungen
- Netzwerksegmentierung
- mehrstufige Authentifizierung
- sichere Cloud- und Offline-Backups
👉 Besonders wichtig: Backups müssen vom eigentlichen System getrennt sein, damit sie bei einem Angriff nicht mitverschlüsselt werden.
IT-Sicherheit ist kein Produkt – sondern ein Prozess
Im Vortrag wurde mehrfach betont: Cybersecurity besteht nicht nur aus Technik.

Mindestens genauso wichtig sind:
- klare Prozesse
- Notfallkonzepte
- Verantwortlichkeiten
- regelmäßige Übungen
- Awareness-Schulungen
Denn selbst die beste Technik hilft wenig, wenn Mitarbeitende Angriffe nicht erkennen.
Ganz wichtig: Das Notfallkonzept sollte nicht auf dem Server abgelegt sein, im Ernstfall wird es mitverschlüsselt! Hier hilft beispielsweise ein unter Verschluss stehender analoger Ordner.
Wie tbs Sie unterstützen kann
Im Anschluss an den Vortrag stellte tbs aktuelle Sicherheitslösungen für Praxen vor:

Dazu gehören unter anderem:
Besonders moderne MDR-/XDR-Lösungen (Managed Detection & Response) gehen inzwischen deutlich weiter als klassischer Virenschutz: Auffälligkeiten werden dabei nicht nur automatisch erkannt, sondern zusätzlich von Sicherheitsexperten bewertet und aktiv überwacht.

Warum Awareness-Trainings immer wichtiger werden
Der Faktor Mensch bleibt die größte Angriffsfläche. Deshalb gewinnen Schulungen massiv an Bedeutung.
Unser Awareness-Training hilft Teams dabei:
- Phishing zu erkennen
- sichere Passwörter zu nutzen
- verdächtige Mails richtig einzuordnen
- Risiken im Alltag schneller zu erkennen

Auch Cyberversicherungen und Institutionen wie die KBV fordern inzwischen zunehmend:
- dokumentierte Sicherheitsmaßnahmen
- Schulungen
- strukturierte Sicherheitskonzepte.
Die wichtigste Erkenntnis des Vortrags
Der vielleicht wichtigste Satz des gesamten Vortrags lautete sinngemäß:
👉 Es geht nicht darum, ob ein Unternehmen angegriffen wird – sondern wann.
Absolute Sicherheit gibt es nicht. Aber gute Vorbereitung entscheidet darüber,
- ob ein Angriff früh erkannt wird,
- wie groß der Schaden ausfällt,
- und ob eine Praxis arbeitsfähig bleibt.
Fazit
🔔 Cyberangriffe sind längst kein Randthema mehr.
Gerade Arztpraxen arbeiten täglich mit hochsensiblen Daten und stehen zunehmend im Fokus professioneller Tätergruppen.
Die gute Nachricht: Viele Risiken lassen sich deutlich reduzieren – durch:
- technische Schutzmaßnahmen,
- klare Prozesse,
- regelmäßige Schulungen,
- und professionelle Sicherheitskonzepte.
Wer heute vorbereitet ist, kann im Ernstfall schneller reagieren – und größere Schäden vermeiden.
Was können wir für Sie tun? Unser Team berät Sie gerne! Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Praxis sicherer zu machen.
📞 Kontaktieren Sie uns gerne!
Grundlage dieses Artikels ist der Online-Vortrag von tbs und dem Bayerischen Landeskriminalamt (ZAC) vom 13.05.2026 zum Thema Cybercrime und IT-Sicherheit in Arztpraxen.